Elektromobilität & Fahrzeugdaten

Moderne Fahrzeuge erzeugen und speichern laufend Daten: in Steuergeräten, Bussystemen, Unfalldatenspeichern, Navigations- und Infotainmentsystemen sowie in Telematik- und Flottenlösungen. Diese Daten halten fest, was technisch tatsächlich geschehen ist, und sind damit oft ein objektiveres Beweismittel als Zeugenaussagen oder Erinnerung.

Bei Elektro- und Hybridfahrzeugen kommt die Batterie hinzu. Der Gesundheitszustand der Hochvoltbatterie (State of Health, SOH) bestimmt Reichweite, Restwert und Kaufpreis. Eine Auswertung der Batteriedaten schafft vor dem Kauf, beim Verkauf oder im Streitfall eine belastbare Grundlage.

Die Auswertung umfasst das Auslesen und Sichern der Daten, ihre Einordnung und die verständliche Aufbereitung für Gericht, Versicherung oder Auftraggeber. Typische Fragen sind Fahrverhalten und Geschwindigkeit, Fehlerhistorie und Funktionsausfälle, Laufleistung und Manipulationsverdacht, Batteriezustand oder der Ablauf eines Unfalls.

 

Fallbeispiel: Zustandsanalyse der Traktionsbatterie

Wer über den Kauf eines Elektrofahrzeugs nachdenkt, hat einige wichtige Faktoren zu berücksichtigen. Die wichtigste Frage betrifft die Anschaffungskosten des Elektrofahrzeugs. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Reichweite und der Lebensdauer der Antriebsbatterie. Da die Antriebsbatterie die bei weitem teuerste Komponente des Elektrofahrzeugs ist, kommt dem Erhaltungszustand der Batterie, der einen direkten Einfluss auf die maximale Reichweite und damit auch auf den Restwert des Fahrzeugs hat, eine große Bedeutung zu.

 

"Der typische Reichweitenverlust von Elektrofahrzeugen liegt bei ca. 2,3 % pro Jahr."

 

Der Erhaltungszustand, auch Gesundheitszustand (State of Health, SoH) genannt, beschreibt, wie viel von der ursprünglichen Kapazität und Leistung einer Batterie nach einer bestimmten Nutzungsdauer noch vorhanden ist. Ist eine Batterie neu, wird der SoH mit 100 % angegeben. Im Laufe der Zeit nimmt der SoH durch Gebrauch und verschiedene Umwelteinflüsse ab. Dieser als Degradation bezeichnete Vorgang ist ein natürlicher Prozess, durch den die Energiemenge, die eine Batterie speichern kann, bzw. die Energiemenge, die sie abgeben kann, kontinuierlich abnimmt. Zu den Mechanismen, die zu diesem Alterungsprozess beitragen, zählen unter anderem interne chemische Reaktionen, die zur Selbstentladung führen, Elektrodenreaktionen, die eine Erhöhung des Innenwiderstands zur Folge haben, sowie der Verlust von Lithiumionen während der Lade- und Entladezyklen. In der Folge dieses Prozesses sinkt die maximal erreichbare Reichweite.

Die wesentlichen Faktoren, die sich auf die Degradation der Batterie auswirken, sind:

  • Zeit
  • Hohe Temperaturen
  • Nutzungsverhalten
  • Hohe Stromaufnahme beim Laden
  • Betrieb mit hohen und niedrigen Ladezuständen

Untersuchungen zeigen, dass insbesondere die häufige Nutzung der Schnellladefunktion einen erheblichen Einfluss auf die Degradation der Batterie hat. Während der typische Reichweitenverlust von Elektrofahrzeugen bei ca. 2,3 % pro Jahr liegt und der SoH nach 4 Jahren noch ca. 90 % beträgt, kann die häufige Nutzung der Schnellladefunktion dazu führen, dass der SoH nach dieser Zeit nur noch ca. 80 % beträgt.

 

"DC-Lader haben einen erheblichen Einfluss auf die Batteriedegradation."

 

Die Frage nach dem Gesundheitszustand der Traktionsbatterie oder der Reichweite des Fahrzeugs beschäftigt nicht nur Interessenten eines gebrauchten Elektroautos. Auch für Besitzer von Elektrofahrzeugen kann ein Batteriecheck sinnvoll sein. So lässt sich abschätzen, ob der Zustand der Traktionsbatterie im Normalbereich liegt oder ob eventuell ein Garantiefall vorliegt. Zudem steigert ein Batteriezertifikat beim Verkauf den Wert des Elektrofahrzeugs und schafft Vertrauen beim Käufer.

Kfz-Gutachten an einem Fahrzeug.
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